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Die Zeichnerin

In großen weißen Zimmern stehe ich des nachts und suche deine Züge auf den Wänden. Fernab der Dinge, die mich des tags halten und nähren. Türen öffne ich und Flüsse schon hab ich übersprungen im Traum so wie im Wachen. Doch gefunden hab ich nur mich.

Wie in einem Weihnachtskalender ist es mir in meinem Leben, seit du nicht mehr da bist. Nur, dass statt 24 Türen weitaus mehr hinter mir liegen. 91 Mal stand ich morgens auf und öffnete die Tür. 91 Mal standest du nicht dahinter. 91 Mal habe ich geseufzt, bin hinaus gegangen in den Tag und habe dich erwartet.

Es gab Tage, an denen ich aufgeben wollte. Tage, an denen ich es beinahe tat. Tage, die mir Freude brachten, und Tage, die ich bereits an ihrem Abend vergessen hatte. Manche von ihnen zerlegte ich in die Minuten, die du nicht bei mir warst. Andere gaben mir das Gefühl, nicht von dir weg sondern zu dir hin zu treiben. Aber alle hatten den gleichen Mangel, denn du fehltest in ihnen.

Manchmal ertappte ich mich dabei, für einige Stunden glücklich zu sein. Ohne dich. Dann drehte sich die Liebe zu mir und lächelte. Und brachte mich zum Weinen.

Manchmal machte ich den Tag zur Nacht und umgekehrt, in der Hoffnung, etwas bewegen zu können in ihnen. Manchmal zog ich an meinem Leben wie an einer Tischdecke, alles umzuwerfen und dich dann im Fallen zu fangen. Manchmal schrieb ich dir Briefe, die ich verbrannte. Manchmal sang ich dir Lieder, und schämte mich vor meiner Stimme. Manchmal sprach ich mit dir und glaubte, du könntest mich hören.

Einmal hab ich geschrieen, und du hast dennoch geschwiegen.Jetzt, da ich die Nächte wieder mit Schlafen verbringe, träume ich von dir, und durch den Tag begleitet mich dein Lächeln. Ich habe keine Angst mehr, dass ich dich verliere. Denn du bist hier. Auf weiße Wände zeichne ich dein Antlitz und in Chören singt meine Stimme dem Mond deinen Namen. Und fragt am Tag mich jemand, wohin ich gehe, dann sage ich, zu dir. Und fragt mich jemand, was ich wünsche, dann sage ich, nur dich, denn alles Andere ist da.

Und sagt mir jemand, ich sei fehl, und auf dem falschen Weg, dann sehe ich ihn an, wie man mich angesehen hat, bevor ich dich kannte, und wünsche ihm still, auch er möge die Liebe finden, wie ich sie fand.

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