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Speed-Splitter, Moonwalker und Evergreens

Wir alle kennen sie. Die meisten von uns versuchen sie zu meiden. Beinahe jeder von uns ist einer von ihnen. Aber was haben diese drei wunderschön in neu-englisch-deutscher Sprache formulierten Begriffe miteinander zu tun, und was bezeichnen sie?

Es geht um Trennungen, und zwar genauer gesagt um Trennungen von zwei Menschen, die noch vor kurzem oder langem für kurz oder lang glaubten, dass es niemals oder eben doch zu einer solchen zwischen ihnen kommen würde. Zwischen ihnen? Zwischen ihnen gibt es dann nichts mehr, denn genau darum geht es bei einer Trennung, auch ‘Split’ genannt.

Die verschiedenen Arten von Splits lassen sich am besten beschreiben, indem man die Menschen, die sich trennen, in Handlungs-Kategorien unterteilt. Unabhängige Instanzen haben anhand von Recherchen in Form von Umfragen und eigenen Erfahrungswerten nach ausgiebigen Studien drei Oberkategorien erarbeitet. Ich möchte Sie Ihnen an dieser Stelle vorstellen. Zum Einen, um dieses Wissen unter Ihnen meinen Lesern zu verbreiten, zum Anderen, um Sie vor jeder dieser drei Trennungs-Kategorien für die Zukunft zu bewahren, sei es in passiver oder aktiver Rolle. Kommen wir also zu der ersten Kategorie von ‘Trennungs-Mensch’, dem

Speed-Splitter:

Der Speed-Splitter ist dem Namen nach der ästhetisch-nihilistischen Speed-Dating-Mode anhängig und ebenso unromantisch veranlagt, wie die ihn umfassende Kaltgefühlmodernität es von ihm verlangt.

Vorteil:
Selbst für Rudimentär-Romantiker wenigstens auf den zweiten Blick zu erkennen.

Nachteil: Bei zweitem Blick meist schon getrennt.

Typische Aussage: „Ich ruf dich an.“

Methode: Der Speed-Splitter liebt das Verliebtsein. Aus Angst, dieses Gefühl zu verlieren, wird er sich so schnell, wie er in das Leben eines anderen Menschen getreten ist, auch wieder aus diesem entziehen. Nach romantischen Treffen und Umgarnungen macht er sich aus dem Staub, ohne davon seinem derzeitigen Partner etwas zu erzählen. In den Studien blieb offen, ob der Speed-Splitter an sich eine Trennung überhaupt als solche empfindet. Klassisch ist nämlich das nachträgliche Leugnen einer Beziehung. Es wird trotz aller soziologisch anerkannten Rituale und verbalen Beteuerungen einer solchen nachträglich überwiegend von ‘nicht ernstem Daten’ gesprochen.

Einziger Tipp: Nicht ernst nehmen und abhaken!

Moonwalker:

Wie bereits sein Name vermuten lässt, bewegt sich der Moonwalker vermeintlich vorwärts in Richtung Zweisamkeit, während er im eigentlichen Sinn das Weite sucht. Erkennbar ist er an hedonistisch-anarchistischen Verhaltensmustern und a-sozialen Umgangsformen.

Vorteil:

Nachteil: Meist psychologisch geschickt.

Typische Aussage: „Ich brauche mehr Freiraum.“

Methode: Der Moonwalker liebt die Aufmerksamkeit und das Begehrt-Werden zu sehr, um sich dauerhaft an eine Person zu binden, allerdings auch die echte, tiefe Zuneigung so sehr, dass er eine gewisse Bindung zulassen muss. Seine Beziehungen dauern meist zwischen einem Jahr und ganzen fünf Jahren an. Der Moonwalker hasst Trennungen und Trennungsschmerz, den er selbst durchaus empfindet. Es besteht im Gegensatz zu den anderen beiden Typen daher die Chance ihn zu binden, wenn genügend Freiraum und Abwechslung geboten wird, so dass er sich ‘wie in einer neuen Beziehung’ fühlt. Klassischer Weise entzieht er sich in den meisten Fällen unmerklich und trennt sich langsam in der Absicht, den Beziehungspartner erst in letzter Instanz davon wissen zu lassen.

Einziger Tipp: Bei der kleinsten Veränderung aufmerksam sein!

Evergreen:

Den Evergreen wird im Gegensatz zum Speed-Splitter nie jemand vergessen, der einmal seine Methoden kennen lernen durfte. Er ist nostalgisch-emotional, ästhetisch aufgeblasen und soziologisch schwer tragbar. – Darum auch ‘Wadenbeißer’, ‘Hüftgürtel’ oder ‘Klammerbeutel’ genannt.

Vorteil: Für andere Evergreens der perfekte Partner!

Nachteil: Ab einem individuell schwankenden Limit für alle Zeit beziehungs- und in schweren Fällen bisweilen gesellschafts-unfähig.

Typische Aussage: „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll, aber lass es uns versuchen.“

Methode: Der Evergreen ist gerne zu zweit und dies sowohl innig als auch dauernd. Über diesen Umständen ‘vergisst’ er darum zeitweilig, dass sein Gegenpart und die Beziehung an sich gewisse Ansprüche erheben und erfüllt haben müssen. Selbst bei größtmöglichen Diskrepanzen zwischen den jeweiligen Partnern haben die Fallstudien gezeigt, dass ein Festhalten an der Beziehung mit allen Mitteln und teils widersprüchlichen Argumenten forciert wird. Eine Trennung als solche ist daher bei Evergreens nur schwer zu datieren. Der Betreffende schwankt oft, extrem und über lange Zeiträume hinweg, bis sich ein Split in seinem sozialen Umfeld nicht mehr leugnen lässt.

Einziger Tipp: Selbst trennen!

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