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Vorüber

Ich habe verloren.

Meinen Stolz, meinen Sinn, mein Recht, meine Erhabenheit, meine Aufrichtigkeit, meine Wahrheit, meinen Traum und mein Gefühl.

Niemand fragt mich, wie es weiter geht.

Von Lachen zu Lachen hangle ich mich und trage meinen Geist unter dem Arm mit mir herum, mein Herz an einer goldenen Kette hinter mir her. Polternd schlägt es an Kantsteine und Abflussgitter und zerbricht doch nicht.

Ich habe mir einen Flummi gekauft und dein Gesicht darauf drucken lassen. Wenn mir langweilig ist, lasse ich ihn durch meine Wohnung springen und zähle die Beulen, die du einsteckst.

Gestern habe ich Etwas erlebt. Das mag seltsam und einleuchtend klingen, wenn man annimmt, dass Erleben nicht zu vermeiden ist. Doch er-LEBEN ohne dich, – eine Kunst war es, das zu verlernen, eine Leistung beinahe, die niemand würdigte und nicht einmal du letztlich belohntest.

Am Flusse stand er,

Schlank und bloß,

Und beugte seine Lider.

Da glitt auf einem hölz’nern Floß

Ein Mädchen seicht vorüber.

Sie lächelte, Er sah sie nicht,

Das Floß, es glitt vorbei,

Und ohne, dass er sie geseh’n,

Sprach er leis:

Du bist frei.

Morgen wirst du mich anrufen: Wie es mir geht, willst du wissen. Ob du mich sehen darfst. Warum, frage ich. Du antwortest nicht. Das Messer, sage ich, aus meinem Rücken, wenn du das wiederhaben willst, … – nein, sagst du, das sei es nicht. Du hättest noch etwas von mir. Oh, ja. Ob ich meinen Stolz wieder haben wolle. – Nein, nicht nötig. Ich habe mir einen neuen zugelegt. Er gehört zu der bissigen Sorte, hat viel Humor und ist ein Erstschläger. Ich würd ihn dir gern vorstellen. Irgendwann. – Du sagst, dir täte es Leid. Schön, sage ich, das freut mich für dich. Ehrlich. Ob du schnell laufen kannst, frage ich dich. Warum, willst du wissen. Weil du nicht vorbereitet bist, sage ich, und nicht ausgerüstet. Weil dein Gewissen auf dem Weg zu dir ist und schnell. Du lachst nicht. Ich auch nicht. Ich atme ein paar Mal leise in den Hörer, bevor ich auflege.

Morgen wirst du mich nicht mehr anrufen. Du wirst zu kämpfen haben. Das ist Beschäftigung genug.

Ich lächelte,

Du sahst mich nicht,

Mein Floß, es glitt vorbei,

Und ohne, dass du mich geseh’n, sprach ich leis:

Ich bin frei.

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