Erzählungen, Prosa

Der Schlüssel

Himmel, wie langweilig es manchmal in meinem Kopf ist. Nicht auszuhalten da drin zu sitzen und die Blicke an nackten, kalten, aalglatten Wänden abgleiten lassen zu müssen.

Wenigstens einen einzigen greifbaren Gedanken möchte ich heute produzieren. Mein rechter, rechter Platz ist leer, ich wünsche mir einen Gedanken her. – Stop, halt! War das einer? Nein, Fehlalarm.

Und wenn ich ihn borstig und stachelig gestalte, damit er mir besser auffällt und nicht so leicht wieder davon kommt – so etwas Seltenes kann man ja nicht einfach wieder abhauen lassen. – ? Irgendwie haarig, klebrig, ekelhaft glibberig und schleimig, anhaftend, widerspenstig, fusselig, fasernd, pieksend, stechend, schmerzend, … – nee, dann hab ich keine Lust auf ihn. Dann lass ich ihn lieber ungedacht vorbeiziehen, als hätte ich ihn gar nicht bemerkt. Also anders.

Wie müsste der perfekte Gedanke sein? Der, den ich sofort an mich ziehen und fest umarmen, umklammern, an mich reißen förmlich, an mich drücken, knuddeln, mitnehmen und nie wieder hergeben würde? Rot vielleicht. Nein, zu aggressiv, rosa ist sanfter. Aber zu sehr Mädchen. Vielleicht lieber eine Form statt einer Farbe?

Hm.



Ich wünsche mir … etwas Schönes. Großes. Mit einem Lächeln, das ansteckend ist. Ja, ich möchte, dass meine Augen strahlen. Und warm muss er sein, der Gedanke. Auf keinen Fall mit scharfen Kanten. Wobei ein bisschen eckige Grübelei schon vorausgesetzt werden darf. Und ich möchte ihn wieder holen können, wann ich will. Und wiederholen, so oft ich kann. Bunt und melodisch mag ich es auch gern. Auf gar keinen Fall darf Licht fehlen, das ist beinahe am wichtigsten, dass es hell und strahlend wird, wenn ich ihn denke.

Ja, ich glaub, das ist er, der Wunschgedanke. Und jetzt, wie komme ich dran, an meinen Wunsch? Wie hole ich ihn mir in meinen Kopf und womit kann ich ihn auslösen?

Hach.

So über’s Grübeln

hör ich den Schlüssel im Schloss,

und du kommst herein.

Mir wird warm, als du lächelst.

Wie ansteckend das doch ist!

Lyrik

Kein schöner Land

Die Welt
zerschlagen
mit eigenem Blut
Den Widerstand
brechen
mit brennender Wut
Die Taubheit
vernichten
mit brüllendem Ton
Die Feigheit
entlarven
mit spöttischem Hohn
Die Lüge
bestrafen 
mit roher Gewalt
Die Umkehr
erzwingen:
Für Jung und für Alt.

Verbitterung,
wo hast du deine Gedanken?
Verzeih mir, dass ich dir nicht folgen kann.

Doch achtlos
bringst du eine Welt ins Wanken,
die so friedlich und ehrlich vor langem begann.