Erzählungen

Nichts Besonderes

Es war, wie er es sich immer vorgestellt hatte. Keine Sirenen, kein Schimpfen oder Brüllen oder Keifen, keine Geräusche überhaupt, kein Aufheben von der Sache machen. Stattdessen Arm in Arm ganz ruhig und unscheinbar den Gang entlanggehen. An die Grüne Meile musste er denken und lächeln und sich dabei wünschen, die Maus zu sein. Er hatte einen innerlichen Paukenschlag erwartet. Aber der kam nicht. Nichts kam. Und niemand. Keine Polizei. Sagte die hässliche Vieräugige im Hinterzimmer, nachdem sie ihn vor und sich selbst hinter den alten, zerkratzten Plastikschreibtisch gesetzt hatte. Ihren richtigen Namen kannten er und die Jungs nicht, und nannten sie darum den Luchs, weil sie in dem Laden einfach alles sah. Wie ein Luchs eben. (mehr …)

Von , vor
Erzählungen

Hugo

Mein Wellensittich war letzte Woche beim Psychiater. Ja, anfangs hielt ich das für eine absurde Idee, aber er hat sich zum Geburtstag einen Gutschein gewünscht für etwas Entspannendes. Ich konnte meinen Wellensittich schlecht auf eine Beautyfarm oder in ein Wellnesscenter schicken – was hätten die Leute gedacht? -, also schenkte ich ihm einen Gutschein für drei Therapiesitzungen. Ich dachte mir, auf der Couch könne er entspannen, seinem Gezwitscher hörte endlich einmal wieder jemand zu, der es nicht schon auswendig kennt, und ich hätte ein paar Stunden meine Ruhe. (mehr …)

Von , vor
Haiku

Haiku LXXVI

Wind voller Vögel rauscht um tanzendes Blattwerk. Nur der Stille sieht’s.

Von , vor
Erzählungen

Prometheus

Er lag auf dem Boden seines Wohnzimmers und wischte sich mit dem Handrücken Schweiß von der Stirn. Als er die roten Schlieren auf seiner Hand sah, tanzten für einen Moment wieder kleine Blitze vor seinen Augen. Er fürchtete eine erneute Ohnmacht. Die Blitze verschwanden, kamen aber nur einen Moment später umso intensiver zurück. Es dauerte eine Weile, bis er begriff, dass sie nicht in seinem Kopf entstanden, sondern zu dem Feuer gehörten, das er nun, als sich seine Augen scharf stellten, auch direkt vor sich auflodern sah. (mehr …)

Von , vor
Erzählungen

Menschsein II – Lesung

Die Lesung unter dem Titel „MENSCHSEIN“ geht am 18.10.2016 weiter. – Natürlich gibt es auch in diesem Teil ein festes Programm. Natürlich ist es stimmig. Natürlich liest mit mir, Nicole Banik, wieder Silvia Mehmel. Natürlich erklärt sich dem Besucher im Laufes des Abends die grüne Tasse. Noch Fragen? Werden auch Weiterlesen …

Von , vor
Lieblingsstücke

Straßen in Shanghai

I Der weiße Schmetterling im Park wird von vielen gelesen. Ich liebe diesen Kohlweißling so, als wäre er eine flatternde Ecke der Wahrheit selbst! Im Morgengraun treten die Völkermassen unsern stillen Planeten in Gang. Da füllt sich der Park mit Menschen. An jedem acht Gesichter, Poliert wie Jade, für alle Weiterlesen …

Von , vor
Lyrik

Götter

Und was wäre, wenn Das Gras nicht wüchse, sondern es die Erde wäre, die sich zurückzieht

Von , vor