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Nichts Besonderes

Es war, wie er es sich immer vorgestellt hatte. Keine Sirenen, kein Schimpfen oder Brüllen oder Keifen, keine Geräusche überhaupt, kein Aufheben von der Sache machen. Stattdessen Arm in Arm ganz ruhig und unscheinbar den Gang entlanggehen. An die Grüne Meile musste er denken und lächeln und sich dabei wünschen, die Maus zu sein. Er hatte einen innerlichen Paukenschlag erwartet. Aber der kam nicht. Nichts kam. Und niemand. Keine Polizei. Sagte die hässliche Vieräugige im Hinterzimmer, nachdem sie ihn vor und sich selbst hinter den alten, zerkratzten Plastikschreibtisch gesetzt hatte. Ihren richtigen Namen kannten er und die Jungs nicht, und nannten sie darum den Luchs, weil sie in dem Laden einfach alles sah. Wie ein Luchs eben.

Der Luchs wiederholte: Keine Polizei. Ok? – Hätte nicht er diese Forderung stellen müssen? Dennoch: Er nickte. OK. Was hätte er auch sagen sollen? Dummes Stück. Dachte er. Wieso fragst du? Wieso Ok? Er regte sich auf. Ihm war egal, dass sie ihn erwischt hatte, dass er in diesem verkackten Hinterzimmer saß, wo es kein Fenster gab und nur eine einzige Tür, die jetzt in seinem Rücken lag, und keine Bilder an der Wand und keine Pflanze, nur einen Schreibtisch und ein Telefon und zwei Stühle, wie so ein verkacktes Verhörzimmer, was es ja auch in diesem Moment irgendwie war. Diese ganze Situation war ihm egal. Aber dass sie ihn fragte, ob es OK wäre die Polizei nicht einzuschalten, scheiße, was lief da in ihrem Kopf falsch? Wie dumm kann ein Luchs sein? Fragte er sich. Aber er nickte nur und atmete nicht schneller als vorher und veränderte nichts an seiner Körperhaltung oder seinem Blick, wie man das halt machte, wenn man verhört wurde und dabei tough blieb. […]

 


Diese Erzählung ist noch unveröffentlicht. Dir hat die Textpassage gefallen? Dann höre sie und andere auf einer meiner Lesungen! Termine findest du unter Veranstaltungen. – Schau auch in meine aktuellen Veröffentlichungen.

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