Erzählungen, Literatur, N. Banik

Ausgeknipst

Ein zwei Finger breiter, dunkelvioletter Streifen lässt erahnen, dass hinter den rauchenden Schutthaufen irgendwo die Sonne aufgeht. Er fragt sich wie an jedem Morgen, was das für einen Sinn hat: ein neuer Sonnenaufgang, der einen weiteren Tag einläutet. Das Heute würde wieder wie das Gestern sein und wie das Vorgestern und das Vorvorgestern und all die Tage zuvor und auch all die Tage danach, die kommen würden, sollte die Sonne weiterhin ihren sturen Job machen, als wäre die Welt nicht in einer gigantischen, lauten Orgie gefressen, halb verdaut und wieder ausgekotzt worden. Als wären nicht alle am Arsch, er nicht weniger oder mehr als die anderen. Continue reading „Ausgeknipst“

Erzählungen, Literatur, N. Banik

Geflutet

„Ach du meine Güte“, stöhnte Bjenka und strich sich eine gelbe Feder aus der Stirn, während sie ihre Tasche in den Sand stellte. „du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass ich da hinein steige?!“ – „Wir werden das jetzt nicht noch einmal ausdiskutieren! Du kannst ja hier bleiben.“ Nikus löste seine Hand von der ihren und wollte weiter gehen, aber sie hielt ihn auf: „Das würdest du nicht tun. Ich bin einmalig, wie du weißt, und Er würde dir keine andere Partnerin geben, wenn du mich zurückließest.“ Sie setzte eine selbstgerechte Miene auf, suchte ihr Spiegelbild in einer der vielen Pfützen und begann, ihren Backenbart mit langen schlanken Fingern zu durchkämmen. Continue reading „Geflutet“