Erzählungen

Fische sind keine guten Zuhörer

14.08.1912 Meine Liebe! Wir haben die Tejo-Bucht bei Lissabon am heutigen Vormittage verlassen. Die See liegt glatt. Schon bald werden wir in Rotterdam unseren nächsten Landgang haben. Nach der Langeweile der vielen Tage an Land, in denen wir auf unsere Ladung warteten, sind meine Beine nun endlich wieder trittsicher an Bord. Die Hitze des Südens bekommt mir nicht, wie du weißt. Ich sehne mich nach der frischen Ruhe der spätsommerlichen Heimat und nach deiner kühlen Hand. Was wirst du Augen machen, wenn du siehst, was ich dir mitgebracht habe! 17.08.1912 Liebste, ich wünsche, deine Nacht ist ruhiger gewesen als die meine es war. Die See ist mir in den letzten Tagen keine gute Freundin mehr. Wir werden uns im Anschluss an diese Fahrt für eine Weile trennen müssen. Das wird auch dich freuen, denn ich habe vor, mit dir eine Landpartie anzugehen. Wir wollen uns nun endlich ein kleines Häuschen suchen für dich und die Kinder, nahe der Elbe und ferner des Stadttumultes. Nicht wahr? Ein Gärtchen für dich wird auch nicht fehlen. Du wirst dir vielleicht einen Hund zulegen für die Zeiten, in denen ich auf See bin. Das wolltest du doch immer. Es wird dich freuen zu hören, dass ich zu dir als Obermaat zurückkehre und einen erheblicheren Lohn mitbringe, der uns einiges erleichtern wird. (mehr …)

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Erzählungen

Hörstück: Vom Kurs ab

Er kam, sah und las. Sven Brieger, deutscher Synchronsprecher, entschied sich in der Sendung „Ohrenkino“ einstmals, die erste Seite meiner Kurzgeschichte „Hugo“ aus dem Buch „Vom Kurs ab – Erzählungen“ zu lesen. – Warum nur die erste Seite? Weil es das Kriterium der Sendung war: Schicke die erste Seite deines Weiterlesen …

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Der letzte Stein

Bin ich noch immer hier? Hatte ich diesen Punkt überhaupt jemals verlassen und bin dir näher gewesen, als  ich es jetzt bin? Oder war ich die ganze Zeit an diesem Ort, von dem aus ich hinübersehnen muss? (mehr …)

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Ausgeknipst

Ein zwei Finger breiter, dunkelvioletter Streifen lässt erahnen, dass hinter den rauchenden Schutthaufen irgendwo die Sonne aufgeht. Er fragt sich wie an jedem Morgen, was das für einen Sinn hat: ein neuer Sonnenaufgang, der einen weiteren Tag einläutet. Das Heute würde wieder wie das Gestern sein und wie das Vorgestern und das Vorvorgestern und all die Tage zuvor und auch all die Tage danach, die kommen würden, sollte die Sonne weiterhin ihren sturen Job machen, als wäre die Welt nicht in einer gigantischen, lauten Orgie gefressen, halb verdaut und wieder ausgekotzt worden. Als wären nicht alle am Arsch, er nicht weniger oder mehr als die anderen. (mehr …)

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Geflutet

„Ach du meine Güte", stöhnte Bjenka und strich sich eine gelbe Feder aus der Stirn, während sie ihre Tasche in den Sand stellte. „du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass ich da hinein steige?!" - „Wir werden das jetzt nicht noch einmal ausdiskutieren! Du kannst ja hier bleiben." Nikus löste seine Hand von der ihren und wollte weiter gehen, aber sie hielt ihn auf: „Das würdest du nicht tun. Ich bin einmalig, wie du weißt, und Er würde dir keine andere Partnerin geben, wenn du mich zurückließest." Sie setzte eine selbstgerechte Miene auf, suchte ihr Spiegelbild in einer der vielen Pfützen und begann, ihren Backenbart mit langen schlanken Fingern zu durchkämmen. (mehr …)

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