Prometheus

Prometheus

Er lag auf dem Boden seines Wohnzimmers und wischte sich mit dem Handrücken Schweiß von der Stirn. Als er die roten Schlieren auf seiner Hand sah, tanzten für einen Moment wieder kleine Blitze vor seinen Augen. Er fürchtete eine erneute Ohnmacht. Die Blitze verschwanden, kamen aber nur einen Moment später umso intensiver zurück. Es dauerte eine Weile, bis er begriff, dass sie nicht in seinem Kopf entstanden, sondern zu dem Feuer gehörten, das er nun, als sich seine Augen scharf stellten, auch direkt vor sich auflodern sah. Continue reading „Prometheus“

Menschsein II – Lesung

Die Lesung unter dem Titel „MENSCHSEIN“ geht am 18.10.2016 weiter. – Natürlich gibt es auch in diesem Teil ein festes Programm. Natürlich ist es stimmig. Natürlich liest mit mir, Nicole Banik, wieder Silvia Mehmel. Natürlich erklärt sich dem Besucher im Laufes des Abends die grüne Tasse. Noch Fragen? Werden auch beantwortet. Auf Handzeichen. In der Pause. Die – natürlich – auch wieder stattfindet.

Mit dabei sind unter anderem auch die Kurzgeschichten Prometheus und Nichts Besonderes.

Beginn: 19Uhr am Dienstag, dem 18.10.2016 im Café Godot in Kiel. Eintritt frei, der Hut geht wie immer ‚rum.

Menschsein I – Nachschau

Das war eine schöne, sehr schöne Lesung im Café Godot. – Und das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die meiner Co-Autorin und –Leserin Silvia Mehmel und unserer Zuhörer.

Ein bisschen gespannt war ich zuvor, zugegeben. Immerhin sollte das meine erste kombinierte Lesung sein, und trotz bester Vorbereitung und feststehendem Programm weiß man ja nie, wie es dann läuft, wenn jemand anderes plötzlich mit im Boot sitzt*.

Menschsein I - Lesung. Café Godot, Kiel.
v.l.: Nicole Banik & Silvia Mehmel

Silvia und ich waren dann ein harmonisches Team, und der verbale Schlagabtausch gab der Lesung einen dynamischen Kontrapunkt zu den teils ernsten, teils amüsanten Erzählstücken. Prosa und kurze Lyrik wechselten sich stimmig ab, und zwischen dem Raketenmädchen, dem Schreiberling und einem unglaublich neurotischen Pedanten führten wir anregende Gespräche mit dem Publikum und lauschten dem leisen Rauschen der Kaffeemaschine. – Draußen ging sogar unter nur wenigen Wolken derweil recht hübsch die Sonne unter. Insgesamt also war es ein gelungener Abend.

Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung mit der SiM. Auch sie wird unter dem Thema MENSCHSEIN stehen, mit anderen Texten, tiefer in die Individualität schauend, spezielle Situationen betrachtend.

Und wieder: Ich bin gespannt.

 *apropos im Boot: dort lese ich am 18.08. wieder – auf der Kuddel und mit ihr auf der Kieler Förde. Noch sind ein paar Plätze frei, also schnell über das Kontaktformular anmelden!

 

Bis auf den Grund

 

Ich sehe einen Teich:
Du
Stehst neben mir,
Wirfst Steine ins Wasser
– gedankenverloren -,
Während ich versuche,
Unsere Spiegelbilder zu erkennen.
Das erwartungsgemäße Klatschen beim Aufprall auf die Wasseroberfläche bleibt aus und lässt Raum für ein sattes Plumpsen, als ich zwischen zwei kleinen Vormittagswindwellen in die See tauche, anstatt über sie hinweg zu springen. Falsche Handhabung, fehlerhafte Form, Mangel an Konzentration: viele kleine unmerkliche Fehler lassen mich einer unachtsam nachlässigen Hand entgleiten und untergehen. Winzige hilflose Luftbläschen verkletten sich an meiner rauen Oberfläche und zappeln um Freiheit, aber meine Schwere zieht mich und meinen Luftkranz auf den sandigen Grund. Langsam kullere ich dort um Fischaugen herum, Algenarme streifen mich, und tiefsattes Blau lässt nur der lang ersehnten Stille widerwillig noch ein wenig Raum neben sich, als ich auf dieser neuen Ebene zur Ruhe komme. Auf der anderen Seite des blauen Vorhangs sind, für eine Weile nur, suchende Blicke zu erkennen, dann verschwinden auch sie (von einer zierlichen Hand fortgezogen) und ich gebe die letzten Luftblasen dankbar frei – ein kleiner Gruß an das andere Element.
Langsam gewöhne ich mich an den dunstigen Schleier um mich herum, bekomme ein wenig Klarheit in ihn. Zwischen Liegen und Kullern wird mein Anblick ab und an von einem Paar Fischaugen aufgefangen, manchmal streifen mich Flossen. Proportionen verschwimmen, Zeit und Raum verlieren jegliche Relation zueinander innerhalb meiner zweitönigen Existenz. Erinnerungen schwinden, ohne Lücken in meinem Bewusstsein zu hinterlassen, wohlklingendes blaues Rauschen und Säuseln umgibt mich, Strudel spielen miteinander an meiner Oberfläche, bevor sie glucksend weiter ziehen auf ihrer rastlosen Suche nach neuen Spielplätzen. Ich aber bleibe.
Einmal springt schrill tönendes Glas durch den Vorhang, stößt sich an mir und fällt zerbrochen an meine Seite. Noch immer wimmernd lässt es seine Reflexe schon bald den blauen Schleier durchschneiden, beißt sich durch den Dunst der Tiefe und buhlt bunt mit den silbern schillernden Schuppen der vorbeiziehenden Bitterlinge (Sie kümmern sich nicht um die farbigen Blitze.): Spiegeln – mehr hat es nicht gelernt auf der anderen Seite. Nichts sein außer Reflexion des Einfallenden. Der blaue Dunst lässt ihm wenig Ausbeute: Flossen, Scheren, Muscheln, Sand und Meinesgleichen. Reglos und stumm, immer wieder von Nebeln verhangen und Rauschen übertönt, versucht es gegen alle Widrigkeiten trotzend, seine ihm zuerkannte Funktion auszuüben und scheitert. Ich könnte Mitleid haben, aber als ich mich dazu entschließe, ist der Buhler bereits unwiderruflich unter einem Algenteppich verschwunden: Ich schenke ihm eine Minute und genieße die neuerliche Ruhe.
Ein Algenarm schmiegt sich wohlig an meine nun glatte Schwärze, umschmeichelt den matten Glanz meiner Oberfläche und zieht säuselnd an mir vorüber. Mit der Zeit verloren sich meine kantigen Konturen im sandigen Umfeld meiner neuen Gegenwart, schon lang zerreiß ich dem Seegras nicht mehr seine schlanken tastenden Finger. Auch die Strudel sind zurückhaltender geworden, gleiten sanft über mich hinweg oder grüßen von weitem. Manchmal begegnen mir noch Fischaugen, bleiben neugierig stehen und finden sich unverständlich in mir. Aber ich scheue sie nicht mehr und werfe ihnen die offenen Mäuler zurück in ihre große Sprachlosigkeit. Stumpf wie gekommen ziehen sie weiter, tragen ihr Bild halbseitig auf einer Flosse mit sich und verstehen doch nicht.
Nur ich bleibe, liege immer in meiner Gegenwart, lasse vorbei ziehen und sehe nach. Von meiner sandigen Warte zwischen tastenden Seegrasfingern, streifenden Algenarmen und glucksenden Strudeln blicke ich ab und an hinauf, meinem längst verjährten Luftkranz nach. Dann und wann hellt sich das Blau auf, wenn der Vorhang sich einmal öffnet; und ein großer Strudel wird mir folgen, wenn bald schon viele kleine unmerkliche Bewegungen mich in eine achtsam nach glattem Schwarz tastende Hand gleiten lassen. Es werden sich winzige hilflose Wassertropfen an meine Oberfläche heften und um Freiheit zappeln, aber meine Leichtigkeit wird mich und meinen Wasserkranz handlich nach oben heben lassen. Dort werde ich glänzend und geschliffen unter einem Himmelblau auf sandigem Grund liegen und erst, wenn die zuvor noch suchenden Blicke konzentriert auf meiner glatten Oberfläche ruhen, gebe ich die letzten glänzenden Tropfen dankbar frei – ein kleiner Gruß an das andere Element.

01. Advent 2015: Farbe trifft Trash-Prosa trifft Erzählungen

^Lesung m Christof

Am 29.11.2015, dem 01. Advent, läute ich die Weihnachtszeit in einer gemeinsamen Lesung mit Christof Klemmt ein.

Wir erwarten unsere Gäste, Kunstinteressenten und geneigte Zuhörer um 15:00 Uhr in der Galerie Stexwig.

Dort wird es neben anderen Sehenswürdigkeiten und einer stimmungsvollen Atmosphäre die Kunstwerke und Gedichte des Künstlers Christof Klemmt sowie meine eigenen Kurzgeschichten zu sehen, hören und kaufen geben.

Ich habe Christof Klemmt bereits lesen hören und kann euch nur empfehlen, euch das nicht entgehen zu lassen! Seine Texte sind lebendig, besonders, trashig und oft so farbenfroh und vielschichtig wie seine Gemälde. Eine Kostprobe findet ihr auf seiner Website.

Ich selbst werde aus meinen veröffentlichten Werken Vom Kurs ab und 12 Sekunden ebenso lesen wie aus meiner neuen, noch unveröffentlichten Sammlung.

Ich freue mich sehr auf euch und einen gemeinsamen, kunstvoll voll-kunstigen Nachmittag!

Rosascope, 2012, 130 x 270 cm, zweiteilig, Ölharz und Lack auf Leinwand
C.Klemmt, Rosascope, 2012, 130 x 270 cm, zweiteilig, Ölharz und
Lack auf Leinwand
4/4
Alte Eichen, 2013, 40 x 56, Lack und Aquarell auf Aquarellpapier
C. Klemmt, Alte Eichen, 2013, 40 x 56, Lack und Aquarell auf Aquarellpapier

 

1. Kieler Haiku-Workshop Teil I 2015

Der erste Haiku-Workshop und die erste (öffentliche) Lesung in diesem Jahr haben die Saison der Freiluft-Lektüre am 09.05. auf dem Gaardener Kleingartenfestival „Kultur Natur“ erfolgreich eingeleitet, und nun kann es weitergehen!

Noch liegen mir leider keine Fotos vor, aber Material folgt bald 🙂

Ich möchte mich noch einmal bei all denen bedanken, die fleißig aufgebaut, abgebaut, organisiert, musiziert, gelesen, geackert, bespaßt und gebastelt haben. Es war trotz kleiner Wetterunruhen und darum nicht ganz so großer Besucherzahlen ein sehr schöner Tag.

Nun möchte ich auch alle, die sich am vergangenen Wochenende nicht getraut haben, herzlich zu Lesung und Workshop samt interessantem Rahmenprogramm einladen, und mich dafür auch

am 31.05.2015 wieder in den Kleingärten des Kleingartenvereins Gaarden Süd e.V. 

zu besuchen.

Das Rahmenprogramm unter anderem musikalischer Art werde ich rechtzeitig bekannt geben, wir rechnen mit erheblich sonnigerem Wetter, und vielleicht habe ich bis dahin die ein oder andere neue Erzählung fertig, die ich dann erstmals zum Besten geben werde.

Schaut einfach regelmäßig hier oder auf der Facebookseite vorbei um aktuelle Informationen zu erhalten.

Ich freue mich schon auf euch!

Und hier meine 3 Lieblings-Haiku des vergangenen Workshops:

(von Hilma)



(von Konrad)



 
(von Marcel B.)